Sportwetten – eine männerdominierte Welt

Nachdem ich mich kürzlich sehr ausführlich mit dem Thema Frauen im Online-Casino auseinandergesetzt habe, war dieser Artikel nicht weit. Denn zum Glücksspiel gehören nicht nur die unzähligen Online-Casinos, sondern auch Online-Buchmacher mit deren Wettangeboten. Bei dem Gedanken an Wettanbieter im Internet und deren Sportangebote denke ich selten an Wetten für Frauensport. Geschweige denn an Wettangebote für Frauen.

Auch hier gilt, ähnlich wie in den Casinos, dass Frauen als Werbematerial und weniger als potentielle Kunden betrachtet werden. Im Bereich Sportwetten scheinen Frauen aber noch weniger akzeptiert zu werden, als in Online-Casinos. Das spiegelt sich auch in den Angeboten der vielen Wettanbieter im Internet wider. Denn kaum ein Anbieter richtet sich gezielt an Frauen – da kann man schon froh sein, wenn es überhaupt Wettmöglichkeiten für Frauensport gibt.

Sportwetten im Frauensport

Während ich die Angebote der Wettanbieter im Internet durchstöbere, wird mir erst jetzt wirklich klar: Es gibt kaum Wettmöglichkeiten für Frauensport. Die meisten Buchmacher haben ein unfassbar großes Angebot an Sportarten, Ligen und Turnieren. Um aber Wettmöglichkeiten für Frauensport zu finden, muss entweder gerade eine WM, EM oder Olympia stattfinden. Die wenigsten Online-Buchmacher stellen Frauensport als Wettoption zur Verfügung. Aber warum? Sehen die Anbieter kein Potenzial in den Sportarten der Frauen?

Tatsächlich ist es so, dass die meisten Menschen sich nicht für Frauensport interessieren. Frauen eingeschlossen. Das beweisen unzählige Umfragen und Studien zum Thema. Beispielsweise gab es einmal eine Fernseh-Umfrage, bei der Passanten Bilder von Olympia-Gewinnern gezeigt wurden. Fast alle kannten die männlichen Gewinner und kaum einer kannte die Namen der weiblichen Sportler. In diesem Zusammenhang wurde auch verdeutlicht, dass weibliche Sportler sehr viel weniger verdienen als Männer. Die meisten weiblichen Profi-Sportler können nicht vom Sport allein leben und müssen nebenbei noch einer anderen Arbeit nachgehen. Männer hingegen können in den meisten Sportarten problemlos von ihrem Einkommen als Sportler leben.

Das verdienen weibliche Sportler wirklich

Frauen verdienen deutlich weniger als Männer und das auch im Sport. Dabei ist es aber sehr interessant die Zahlen einmal genauer zu betrachten, denn diese sind noch viel erschreckender als vermutet.

In einem ganzen Jahr verdienen Frauen der deutschen Fußballbundesliga durchschnittlich knapp 40.000 Euro. Das ist in etwa so viel, wie die Bundesliga-Männer im Monat verdienen. Denn für die Männer geht man von einem monatlichen Einkommen von 30.000 Euro plus Bonus aus.

Da könnte man nun meinen, dass Fußball ein besonderer Fall ist. Aber auch in anderen Sportarten ist das Gefälle sehr ähnlich. Und alle, die davon sprechen, dass wir eine Gleichberechtigung erreicht haben, die scheinen diese Zahlen einfach zu ignorieren. Es mag schon sein, dass wir in anderen Berufen eine Gehaltsanpassung geschafft haben, aber im Sport garantiert nicht.

Wer interessiert sich für Frauensport?

Wenn es um die Disziplinen der Männer geht, würde nicht einmal jemand eine solche Frage stellen. Erschreckenderweise muss man sich aber tatsächlich fragen, wer sich eigentlich für Frauensport interessiert. Denn in erster Linie ist es deutlich schwerer Informationen über die Disziplinen der Frauen zu erhalten. Die offiziellen Mainstream-Medien berichten in erster Linie über Männersport und wenn von Dingen wie der „Fußball Bundesliga“ gesprochen wird, dann sind automatisch die Männer gemeint.

Nun ist es ja aber nicht so, dass sich ausschließlich Frauen für Frauensport interessieren. Fragt man allerdings Männer, warum sie sich für beispielsweise Frauenfußball begeistern, dann muss man auf die harte Realität gefasst sein. Eine kleine Sammlung der männlichen (Sprach-) Ergüsse zum Thema Frauensport:

„Ich stehe auf sportliche Frauen, deswegen schaue ich gerne Frauensport.“

„Ich schaue Frauen gerne dabei zu, wie sie sich bewegen.“

„Frauen mit Muskeln sind sexy.“

„Wenn Frauen mit Bällen spielen, macht mich das an.“

 

Nicht besonders hilfreich ist aber auch der Fakt, dass Frauen nicht wirklich für Frauensport einstehen. Es gibt sogar viele Frauen, die ebenfalls sagen, dass Frauensport langweilig ist oder weniger Aufregung birgt.

Tennis – Ein Sport mit Gleichberechtigung?

Tennis gilt als Vorbild, wenn es um die gleichberechtigte Vermarktung geht. In einem Artikel des Deutschlandfunk erinnert Emilie Montané an die Anpassung des Preisgeldes 1973 für Frauen. Damals wurden die Preisgelder für die US Open für Männer und Frauen angeglichen und kurz darauf folgten die Australian Open, Wimbledon und Roland Garros. Mittlerweile sind, acht der zehn am besten verdienenden weiblichen Sportler Tennisspieler.

Veränderungen in Sicht

Im Jahr 2019 wurden die Betreiber und Unternehmen wachgerüttelt. Denn in Frankreich hat die Weltmeisterschaft der Frauen so viel Aufmerksamkeit bekommen, dass der Weltverband angekündigt hat, in den nächsten vier Jahren eine Milliarde US-Dollar in Frauenfußball zu investieren. Dabei ist besonders bedeutsam, dass auch private Unternehmen an den Durchbruch des Frauensports glauben und bereit sind zu investieren.

Bei der Vermarktung und Verbreitung von Frauensport geht es auch darum, wer die Spiele und Begegnungen überträgt. Bisher gibt es nur den Streaming-Dienst Olympic Channel, der einen weitreichendes Angebot an Frauensport-Übertragungen bietet. Derzeit soll aber ein neuer Streaming-Dienst entstehen, der speziell auf Frauenfußball ausgerichtet ist.

Die Europäische Rundfunk-Union hat ebenfalls eine Initiative ins Leben gerufen. Damit soll Frauensport gefördert werden, indem das Programm ausbalanciert wird. Im Fokus steht, dass mehr Frauen als Experten, Moderatoren und Reporter eingesetzt werden sollen – denn die Präsens im Fernsehen sei von enormer Wichtigkeit.

Die Branche ist also zuversichtlich, dass sich Frauensport in Zukunft positiv entwickeln wird. Dafür setzt man aktuell auf eine stärkere mediale Präsenz und intensivere Vermarktung. Ob schließlich die Akzeptanz und die Nachfrage so groß sein wird, wie prognostiziert, bleibt abzuwarten.

Interessieren sich Frauen nicht für Sportwetten?

Wenn man die Angebote der vielen Wettanbieter sieht, dann müsste man davon ausgehen, dass Frauen sich nicht besonders für Sport interessieren. Während ich festgestellt habe, dass Online-Casinos Frauen definitiv als potenzielle Kunden erkannt haben, ist das bei den Buchmachern weniger der Fall. Die meisten Wettanbieter machen sich nicht einmal die Mühe eine übersichtliche Zusammenstellung der Frauensport-Disziplinen zu erstellen. Sport scheint also Männersache zu sein und Sportwetten erst recht.

Frauen an den Herd und Männer ins Wettbüro

Wer sich die Frage stellt, warum Frauen weniger wetten als Männer und in der Branche weniger wahrgenommen werden, dann gibt es dafür nur kulturelle und psychologische Gründe. Frauen werden anders erzogen als Männer und schon junge Mädchen lernen, dass man sich auf wesentliche Dinge im Leben konzentrieren soll. Sport und Sportwetten gehören definitiv nicht zu diesen Dingen und deswegen entwickeln die meisten Mädchen auch keine emotionale Bindung zu Sport und bestimmten Teams. Ganz im Gegenteil zu Jungs, die meistens schon früh ein Lieblingsteam haben und vielleicht sogar mit ihrem Vater ins Stadion gehen.

Frauen wetten mit dem Kopf und Männer mit dem Herz. Denn für Frauen ist bei einer Sportwette kein Herzblut beteiligt, in der Regel wetten sie logisch und mit dem Kopf. Männer neigen dazu auf ihre Lieblingsmannschaft zu tippen, weil sie dieser treu sein wollen, auch wenn sie dem Untergang geweiht sind. Bevor Frauen eine Wette platzieren, vergewissern sie sich genau über die Möglichkeiten und sind generell wählerischere Wettkunden als Männer.

Frauen sind erfolgreichere Wettkunden

Eine Studie der 888 Holdings hat gezeigt, dass Frauen beim Wetten erfolgreicher sind als Männer. Dabei ist besonders interessant zu beobachten, dass vor allem junge Frauen den Dreh raushaben. Weibliche Wettkunden zwischen 25 und 34 erhalten im Durchschnitt 127,06% ihrer Einzahlungen zurück. Frauen im Alter von 35 bis 44 sogar 129,60%. Männer hingegen haben ihren Wetterfolgs-Peak zwischen 45 und 54 Jahren, wo sie durchschnittlich 16,90% ihrer Einzahlungen in Form von Gewinnen zurückbekommen. Frauen dieser Altersgruppe schneiden wiederum am schlechtesten ab und verbuchen Verluste von 61,72%. Noch schlechter sind weibliche Wettkunden nur über 65, wo sie 82,16% Verluste einfahren.

Aus dieser kleinen Übersicht geht direkt hervor, dass Männer weniger Erfolg haben als Frauen. Trotzdem müsste es für eine empirische Studie deutlich längere Beobachtungen geben, bei denen auch geographische Unterschiede berücksichtigt werden.

Wettmanipulation

Das Thema Wettmanipulation ist im Profi-Sport ein großes Thema. Jährlich fließen vier Millarden Euro in die Sportwetten-Branche. Das viele Geld lockt natürlich auch Betrüger an und die Staaten sehen sich immer wieder gezwungen einzugreifen. Erst kürzlich wurde über eine neue Konvention zur Wettmanipulation diskutiert, die europaweit in Kraft treten sollte. Was für viele eine große Hoffnung war, drehte sich aber schnell zu einem „Trauerspiel“, wie es Sylvia Schenk von Transparency International bezeichnet. EU-weit sollte die neue Konvention in Kraft treten und ein Gremium aus spezialisierten Ermittlern haben. Allerdings hat sich Malta, als kleinstes EU-Land, gegen die Konvention ausgesprochen. Denn vor allem Malta hat großes Interesse an der Arbeit mit Wettunternehmen, die auf der mediterranen Insel ihren Hauptsitz haben und maltesische Lizenzen  beziehen.

Die Wettmafia

Im Bereich der Sportwetten kommt es immer wieder zu sogenannten Wettskandalen. Vor allem im Tennis gab es Ende 2019 großes Aufsehen wegen Wettbetrugs, bei dem etwa 135 Spieler involviert sein sollen. In diesem Fall arbeitet das FBI mit den europäischen Behörden zusammen, da man davon ausgeht, dass es sich um eine armenische Wettmafia handelt. Bei der Wettmanipulation wurden viele kleine Beträge auf manipulierte Spieler gesetzt und in der Masse wurden dadurch mehrere Zehntausende Euro ergaunert.

In erster Linie scheint es keinen Unterschied zu machen, ob es Frauen oder Männer sind, die das Wettsystem betrügen. Denn sowohl weibliche als auch männliche Sportler werden von Manipulatoren kontaktiert. Wer genau die Personen hinter der Wettmafia sind, ist nicht klar – denn oft handelt es sich um kriminelle Ringe, die länderübergreifend agieren.

Frauen und Kriminalität

Wenn es um Straftaten und Kriminalität geht, dann gilt das verbreitete Bild, dass Frauen weniger straffällig werden als Männer. Deswegen geht man auch automatisch davon aus, dass Wettbetrug in erster Linie ein männliches Delikt ist.

1999 wurden in den alten Bundesländern und Berlin 759.700 Menschen verurteilt. Davon war jede sechste Verurteilte eine Frau und alle anderen Männer. Dabei ist auffällig, dass vor allem junge Frauen häufiger straffällig werden. Denn 26% der verurteilten Frauen waren 25 Jahre alt oder jünger, und 42% waren jünger als 30. Der häufigste Anklagepunkt für Frauen ist der sogenannte „leichte Diebstahl“, dafür standen 30% der Verurteilten vor Gericht. Interessant ist allerdings, dass der Frauenanteil bei schweren Verbrechen und Delikten sehr niedrig ist. 8% der straffällig gewordenen Frauen waren wegen Körperverletzung verurteilt und 7% wegen Raubdelikten.

Aus diesen Zahlen geht hervor, dass Frauen nicht weniger straffällig sind als Männer. Allerdings begehen sie weniger schwere Straftaten und werden deswegen auch seltener zu Gefängnisstrafen verurteilt. Insgesamt sind Frauen statistisch gesehen leichter zu resozialisieren. Am 31. März 2000 haben sich 60.800 Personen im Strafvollzug aufgehalten – davon waren 4% Frauen.

Frauen und Wettmanipulation

Hinter den Wettbetrügern stecken meistens große Ringe, die von der Polizei nur schwer zerschlagen werden können. Das bedeutet auch, dass über die Identität der Täter fast keine Informationen bekannt sind. Dazu gehört auch, dass man nicht weiß, ob es sich um Männer oder Frauen handelt. In den bekannten Fällen, wo Sportler von Manipulatoren angesprochen wurden, handelte es sich aber immer um männliche Täter.

Statistisch gesehen werden sich auch in den Manipulatoren-Kreisen weniger Frauen als Männer befinden. Frauen begehen laut Statistik deutlich weniger Straftaten und sind selbst dann meist in leichte Verbrechen verwickelt. Wettmanipulation ist ein organisiertes Verbrechen und wird mit harten Strafen geahndet. Dass der Anteil von weiblichen Manipulatoren deutlich geringer ist, ist aber trotzdem nur eine Vermutung. Denn wenn man wüsste, wer die Täter sind, könnte man sie stoppen.

Was muss ein Wettanbieter Frauen bieten können?

Ich habe mir über die letzten Wochen viele verschiedene Wettanbieter im Internet genauer angesehen. Das, was bei wirklich allen bekannten Anbietern auffällt, ist die Tatsache, dass sich ein männlicher Repräsentant auf der Startseite befindet. Es wird fast so dargestellt, als gäbe es keine Frauen im Sportwetten-Business. Aber stimmt das wirklich?

Im Artikel habe ich schon viele Aspekte beleuchtet und bin zu dem Entschluss gekommen, dass Frauen zumindest besser und erfolgreicher wetten als Männer. Für die Online-Buchmacher sind Frauen also keine gute Einnahmequelle, denn sie wetten vorsichtiger, bedachter und weniger impulsiv. Für eine Industrie, wie die Welt der Online-Wetten, bedeutet das letztlich weniger Umsatz. Es ist nicht so, dass Frauen gar nicht wetten, aber eine Umfrage hat ergeben, dass auf 15 abgeschlossene Wetten, nur eine von einer Frau platziert wird.

Marketing, Werbung und Design sind aufwendig und teuer. Oft steckt deutlich mehr dahinter, als wir tatsächlich sehen können. Die Angebote und Promotionen der Anbieter konzentrieren sich derzeit also auf eine Strategie, die wirkt. – Denn Männer für Sport zu begeistern, ist nicht schwer. Und aus der Begeisterung für Sport, eine Begeisterung für Sportwetten zu machen, ebenfalls ein leichtes. Anstatt sich also etwas zu trauen und auch den kleinen Anteil der weiblichen Kunden anzusprechen, lehnen sich die Wettanbieter zurück und machen was schon immer funktioniert hat. – Sportwetten für Männer. Mit männlichen Repräsentanten. Für Männer-Fußball oder andere Sportarten, der Männer natürlich.

Um die Richtung im Bereich der Sportwetten zu ändern, muss einiges passieren. Beim Anblick der Buchmacher-Größen wie bet365, Betway, Tipico, Interwetten und Co wird schnell klar, dass Angebote für Frauen bisher aber nicht auf der Agenda stehen.

Autor: "Anna" - Status: Experte
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Hi, ich bin Anna und liebe Sportwetten - vor allem online, da ich mittlerweile die Nase voll habe von nervigen Typen im Tipico um die Ecke, die einen Schein nach dem anderen verlieren, aber dennoch meinen, meine Tipps kommentieren zu müssen. Emotionen spielen bei mir im Vergleich zu meinen Kollegen auf sportwettenFM, die gerne auch mal auf ihr "Bauchgefühl" hören oder auf ihren Lieblingsverein setzen, keine Rolle. Mir geht es um Value.

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