Football Index – eine schlechte Wette!

Das hat wehgetan. Bis zu einer halben Million Kunden von Football Index – vornehmlich aus UK, Irland und Kanada – müssen sich wohl damit abfinden, am Ende einem Schneeballsystem aufgesessen zu sein. Interessant ist dabei, dass Football Index bereits seit einigen Jahren seinen Nutzern die Möglichkeit gab, auf den zukünftigen Erfolg von Fußballern zu wetten. Zumindest in den ersten Jahren lief das sogar erstaunlich gut. Auch wenn es sich bei dem Produkt im Endeffekt um Glücksspiel handelt, gab es doch sehr große Unterschiede zu normalen Sportwetten, was einen zusätzlichen Reiz ausmachte.

Was es genau mit FI auf sich hat, wie es funktionierte, und wie am Ende plötzlich aus einem als innovativ gefeiertem Produkt ein großer Betrug wurde, erfährst du in unserem Artikel. Abschließend schauen wir uns natürlich auch noch an, ob denn nicht in Zukunft etwas ähnliches – aber seriös geführt – in Deutschland möglich wird oder sogar bereits existiert.

Was ist der Football Index?

Ganz einfach ausgedrückt ging es beim Football Index darum, dass du Anteile professionelle Fußballspieler aus verschiedenen Ligen zu einem bestimmten Kurs kaufen konntest. Spielt ein Kicker gut, hat er gute Chancen, in den sogenannten Buzz Charts aufzutauchen. Das ist nicht nur schön fürs Ego, sondern bringt Dividenden. Und auch mit dem Verkauf von Anteilen (oder Aktien) an Spielern kann man theoretisch gutes Geld verdienen – oder auch verlieren. Denn neben den Marktschwankungen darf man nicht außen vor lassen, dass sich die Betreiber von Football Index 2 Prozent vom Kaufpreis in die eigene Tasche steckten.

Als ich zum ersten Mal vom Football Index hörte, musste ich sofort an Comunio denken. Vielleicht kennt der eine oder andere Leser diesen virtuellen Fußball-Manager, bei dem man sich – allerdings mit Spielgeld – einen eigenen Kader zusammenstellt. Doch Football Index ging einen Schritt weiter. Die Aussicht, mit dem eigenen Fußball-Wissen Geld zu verdienen, macht das Konzept natürlich interessant. Seien wir mal ehrlich: Fußball-Fans sind meistens männlich und wollen vor allem eines: Recht haben! Da passt so ein Produkt doch perfekt.

Da auch die sehr strenge britische Glücksspielbehörde zunächst eine Lizenz erteilte, schien zudem auch in Sachen Seriosität alles in Ordnung. Verstärkt wurde dieses gute Gefühl zudem durch Trikot-Sponsoring der bekannten Vereine Nottingham Forrest und Queen Park Rangers.

Unternehmensgeschichte

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Einer der unterschiedlichen Anreize, beim Football Index mitzumachen: Team aufstellen, Preisgelder gewinnen.

 

Einen guten Riecher für gute Geschäfte hatte der Gründer und CEO Adam Cole schon immer. Bevor er mit der „Fußballer-Börse“ startete, hatte er unter anderem mit Videos, DVDs und sozialen Netzwerken Geld verdient.

Ab Oktober 2015 betrieb die Firma Betindex LTD den Football Index als Plattform für Wetten auf Fußballspieler. Kernstück des Ganzen war der Börsenkurs mit einem Basiswert von 1.000 Punkten, der als „The Footie“ bezeichnet wurde . Bis zum 3. April 2020 wuchs „The Footie“ auf unglaubliche 159.207 Punkte. Die Spieler-Aktien-Portfolios der Trader reichten dabei von 10 £ bis über 1.000.000 £. Die magische Schallmauer von 100.000 aktiven Nutzer durchbrach der Football Index bereits im Januar 2018. Ende 2019 überschritt die Zahl der aktiven Trader die 500.000er Marke. Wahnsinn. In der Fußballsaison 2018/2019 wurden auf der Plattform über 321 Millionen Pfund  gehandelt. 4,3 Millionen Pfund zahlten die Betreiber in dem Jahr in Form von Dividenden an Trader aus.

Im Jahr 2020 schloss Football Index eine Partnerschaft mit NASDAQ ab, deren Technologie ein Orderbuchsystem antreiben wird, das später im Jahr implementiert werden soll. Im Januar 2021 wurde Mike Bohan zum CEO ernannt.

Eigener Anspruch

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Jeden Spieltag – sowohl national als auch bei besonderen Wettbewerben – konnte „Anleger“ mit den besten Spielern Dividenden verdienen

Offiziell gehört das Unternehmen zu Index Labs (früher unter dem Namen Fame Ventures). Nach eigenem Bekunden (oder PR-Sprech) wollte man bei Index Labs die Grenzen zwischen Investitionserfahrung und Glücksspiel neu definieren.  Football Index sollte normalen Menschen wie dir und mir ein Börsenerlebnis ermöglichen, das sicherer und vorhersehbarer sei als die Finanzmärkte. Ja, und im Gegensatz zu langweiligen Aktiengeschäften sollte das Ganze vor allem Spaß machen

Bahnbrechend war die „Spielerbörse“ von Football Index tatsächlich. Die Idee, die 4.000 besten Spieler der Welt an einer Börse handeln zu können, darf mit Fug und Recht als kleine Revolution im Sportwetten-Sektor bezeichnet werden. Und die Partnerschaft mit Nasdaq für eine „Order-Matching-Engine“ zeigt, wie ambitioniert man war, um auch zukünftig ein nahtloses und zuverlässiges Handelserlebnis zu bieten. Doch „Qualität in der Entwicklung, Zusammenarbeit, Wachstum und Lernen“ sowie auch der Einsatz neuester Technologien wie Cloud, AWS etc wie es zum Beispiel auf linked.in offensiv kommuniziert wurde, sorgte wohl nicht wirklich für eine nachhaltige Unternehmenskultur.

Selbst wenn man Eigenlob, Selbstdarstellung und Werbequatsch weglässt, dann klingt das alles dennoch nach einem modernen Unternehmen. Das gilt auch für die anfängliche Finanzierung: Schon früh bekam Football Index zusätzliche finanzielle Mittel in Höhe von 1,92 Mio. £ von Burlywood Capital, dem Venture-Arm des Glücksspiel-Veteranen Mark Blandford (Gründer von SportingBet). Im Mai 2016 sammelte das Unternehmen zusätzlich 1.156.327 £ über die Crowdfunding-Plattform Seedrs im Austausch für 15,10 % Eigenkapital ein.

 

Der Crash von Football Index im März 2021

Es hatte schon zuvor einige Hinweise gegeben, dass dieses eigentlich doch ganz innovative Konzept gar nicht so nachhaltig sein könnte. Insbesondere die Glücksspielbehörden hatten durchgehen Football Index auf dem Radar. Diesen März scheint das letzte Kapitel bei Football Index begonnen zu haben. Es wurden nicht ganz überraschend Änderungen angekündigt, darunter die Ausgabe neuer Aktien und die Reduzierung der „Dividenden“-Ausschüttung von maximal 0,33 Pfund pro Aktie auf 6 Pence pro Aktie.

Die führte gleich zu zwei schwerwiegenden Auswirkungen:

  • allgemeiner Vertrauensverlust und Unruhe bei den Tradern, wie sie in Deutschland wohl zuletzt nur beim wirecard-Crash vorkam
  • Der Wert von Anteilen / Wetten, die zu Preisen gekauft wurden, die auf den höheren Ausschüttungen basierten, sank dramatisch. Die Portfolios der meisten Nutzer sanken zwischen 50 % und 90 %

Am 11. März setzte Football Index den Handel auf seiner Plattform aus. Innerhalb weniger Stunden ging die Muttergesellschaft BetIndex in ein geordnetes Insolvenzverfahren über. Sowohl die UK Gambling Commission als auch die Jersey Gambling Commission setzten die Lizenz aus.

 

Ausblick Football Index

Der letzte Tweet auf dem normaler Weise sehr aktiven twitter-Kanal von Football Index datiert vom 12. März. Dafür gibt es jede Menge Berichte in britischen Zeitungen – und die sehen nicht gut aus. Eine Klagewelle mit ungeahntem Ausgang wird wohl die Folge sein. Der Name ist mittlerweile leider ebenfalls ruiniert, und es erscheint nicht wirklich realistisch, dass Football Index noch einmal zurück kommt geschweige denn das die Anleger ihr Geld sehen. Die britische BBC zum Beispiel berichteten, dass der finanzielle Schaden sich auf bis zu 90 Millionen Pfund belaufen könne- Das ist krass.

Was sind die Gründe hinter der Insolvenz von Football Index?

Handfestes, gerichtsfeste Fakten gibt es bis jetzt nicht. Aber zwei Gründe scheinen schon jetzt klar zu sein:

überforderte Lizenzbehörde

Sowohl das neuartige Produkt als auch Personalmangel werden mittlerweile genannt. Denn bereits 14 Monate vor der Insolvenz von Football Index soll die Behörde Warnungen erhalten haben, diesen aber nicht nachgegangen sein. Angeblich soll die Pleite von Football Index so hohe Wellen geschlagen haben, dass sogar der Chef der britischen Glücksspielbehörde zurück getreten ist.

Schneeball- oder Pyramiden-System

Nach Insidermeinungen sollen die steigenden Dividenden nur mit aggressiven Steigerungen der Nutzerzahlen machbar gewesen sein. Doch gerade hier sind die Werbekosten extrem. Nach der Lizenzierung wurde zudem die Akquise neuer Trader schwieriger.

Deutlich wird dies, wenn man sich etwa die Erfahrungen von Spielern aus den Jahren 2018 oder 2019 anschaut. Twitter ist da eine gute Quelle:

Die Mehrheit der Spieler hat – das legen auch die Firmenzahlen nahe –  eher Gewinn als Verlust mit den Spielerwerten gemacht. Und da die Betreiber immer die Anteile wieder kaufen müssen, wenn ein Trader seine Anteile verkaufen will, lag eine finanzielle Schieflage vor.

Neue Märkte: Football Index gab etwa letztes Jahr bekannt, man wolle auf den deutschen Markt – konnten mit Ausnahme von Kanada nie realisiert werden.

Gibt es für Spieler aus Deutschland eine Alternative zu Football Index?

Lange Frage, kurze Antwort: Nein. Und auch zukünftig wäre ein solches Produkt mit dem kommenden Glücksspielstaatsvertrag nicht kompatibel. Wir sind zwar sicher, dass sich einige Nachahmer des Football Index finden lassen werden, empfehlen möchten wir diese an dieser Stelle nicht.

 

Autor: "Forscher" - Status: Experte
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Fußballerisch hat es bei mir zu nicht wirklich viel gereicht....Ergänzungsspieler in der 2. Kreisklasse war das höchste der Gefühle. Und auch mit Sportwetten lief es früher eher mau. Viel gewettet, mehr verloren. 2009 wechselte ich jedoch nach dem Studium die Seiten und arbeitete für verschiedene Buchmacher wie expekt, BetVictor, btty und Tipico. Mein Schwerpunkt liegt hier auf allgemeinen Sportwetten, Wettstrategien, Value-Bets und natürlich optimale Ausnutzung von Promotionen und Boni.

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